Reisetagebuch: Ein Tag in Chefchaouen, Marokko

Chefchaouen – die berühmte „blaue Stadt“ im Rif-Gebirge. Unzählige Mal hatte ich Fotos von dieser Stadt gesehen und war fasziniert worden. Natürlich musste ich sie mir unbedingt ansehen, als ich die Möglichkeit dazu hatte. Ein paar Tage in der hektischen Atmosphäre von Fès hatten mir ohnehin den Kopf so verschlagen, dass ich nach Ruhe und Entspannung schrie, und Chefchaouen klang für mich wie der perfekte Ort dafür.

Ich traf an einem sonnigen Frühlingstag ein, es waren angenehme 22 Grad – unvergleichlich für eine entspannte Erkundung der Stadt. Die Sonne schien, aber es war luftig und frisch – wie von einer Bergluft zu erwarten war. Meine Unterkunft, ein kleines Gästehaus, war mitten in der Medina, der Altstadt der Stadt, und von diesem typischen Blau gestrichen, das den ganz besonderen Charakter von Chefchaouen ausmacht.

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Beim ersten Gang durch die verwinkelten, schmalen Gässchen war mir sofort klar: Chefchaouen ist in der Tat eine Welt für sich. Die blauen Häuser, die vielen Stiegen und die entspannte Stimmung, die von der Stadt auszustrahlen schien, zeichneten sie aus. Ich ließ mich einfach treiben, spazierte ohne Ziel durch die Straßen und machte laufend Entdeckungen: Türen verschiedenster Art, farbige Pflanzen, Katzen, die auf blauen Fensterbänken schliefen. Überall dachte ich mir: "Warum um alles in der Welt bist du hier noch nie gewesen, Tang? Das ist wie gemalt!"

Etwas später hatte ich dann Hunger und ging in das Café, das mir mein neuer „Lebenspartner“ empfohlen hatte: Café Clock. Es liegt ein wenig versteckt in einem Eck der Medina und hat eine sehr feine, ruhige Dachterrasse, die einen idealen Blick auf die Stadt und das bergige Hinterland bietet. Ich bestellte mir eine Tanjia, ein traditionelles marokkanisches Gericht, das tagelang in einem Tonkrug gegart wird. Das Fleisch war dermaßen zart und würzig, dass ich fast nicht anders konnte, als bei einem bisschen frischem marokkanischem Brot und Minztee in Entzückung zu geraten. Das ausgiebige Mittagessen in dieser Location, die eine gute Küche, passende Musik sowie eine grandiose Sicht auf die Landschaft zu bieten hatte, entwickelte sich zu einem kleinen Höhepunkt des Tages.

Der Nachmittag lag vor mir und ich entschloss mich, die Medina von Chefchaouen doch noch ein bisschen genauer zu erkunden. Meine Wahl fiel auf den kleinen Aussichtspunkt Ras el-Maa, der einige Gehminuten vom Zentrum entfernt lag. Die "Wanderung" dorthin verlief an kleinen Wasserfällen entlang und führte mich schließlich auch an mehreren Stellen des schmalen Flussbettes vorbei, an denen einige Einheimische ihre Teppiche wuschen. Ich setzte mich auf einen Felssporn, tauchte die Füße ins kühle Nass und ließ das Panorama auf mich wirken. Chefchaouen, das blaue Wunderschöne, gruppierte sich inmitten grüner Berge wie aus einem blauen Pinselstrich gemalt.

Wieder zurück im bunten Treiben der Medina, fiel mir ein Gewürzladen ins Auge, den ich auf dem Hinweg schon bewundert hatte. Der winzige, aber vollgestopfte Raum war ein wahres Paradies: Duftende Gewürze, Tees und handgemachte Seife lagen hier bereit, um gekauft zu werden. Ras el Hanout, die marokkanische Gewürzmischung schlechthin, und ein paar Datteln wanderten in meine Tasche – ich wusste, Holland oder Bayern würde sie nur schwerlich finden.

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Später am Nachmittag nahm ich an einem weiteren Café-Tisch Platz – dieses Mal mit Blick auf den Place Outa el-Hammam. Hier herrschte zwar etwas mehr Betrieb als in den Seitenstraßen, aber eine entspannte, unaufgeregte Stimmung hing in der Luft. Ich beobachtete Kinder beim Fußballspielen, Händler beim Anpreisen ihrer Waren und andere Reisende bei ihrem Treiben. Dazu orderte ich mir Msemmen, eine süße marokkanische Spezialität, eine Art filigran geölter Blätterteigpfannkuchen mit Honig, die mir sehr gut schmeckte und als perfekte Nachmittagsmahlzeit durchging.

Als die Sonne hinter den Häusern des Ortes verschwand, begab ich mich zu guter Letzt noch zur spanischen Moschee. Der Aufstieg gestaltete sich zwar ein wenig steil, aber die Aussicht auf die blaue Stadt war hinreißend. Von oben gesehen, erstrahlen abends die blauen Häuser von Chefchaouen immer noch, während die Berge im Hintergrund schon dunkel werden. Ich setzte mich auf die Mauer und genoss die friedliche Stille. Es war Zeit, den Tag Revue passieren zu lassen.

In der Stadt zurückgekehrt, war es Zeit für ein gutes Abendessen. Mehrfach hatte man mir empfohlen, in das Restaurant Bab Ssour zu gehen, in dem man traditionelle marokkanische Küche in Hausrezepten zubereiten würde. Eine Tajine mit Lammfleisch, Aprikosen und Mandeln bestellte ich mir schließlich. Ein Essen, das für mich angenehm war, da sich die süße Note der Aprikosen sehr gut mit dem Herzhaften des Lammfleischs verband, was ja auch ziemlich typisch für die marokkanische Küche ist. Das Gericht schmeckte wirklich ausgezeichnet, und man fühlte sich fast schon wie unter Freunden. Als Nachtisch gab es noch einen lippenleckenden Orangensalat.

Was ich besonders an diesen kleinen, familiären Restaurants mag, ist die Tatsache, dass man sich mit den Wirten und dem Personal des Hauses ganz ungezwungen und gut gelaunt über dies und das unterhalten kann.

Chefchaouen bei Nacht erschien mir ebenso bizarr und bezaubernd wie bei Tage. Es war schön, durch die gänzlich menschenleeren Gassen der Medina zu gehen, das Blau zur Abwechslung von traumhaftem Laternenlicht geleitet wurde. Die kühle Luft tat mir gut und die mit Licht punktierten blauen Straßen gaben mir das Gefühl, mitten in einem Märchen zu spazieren.

Mit einem Gefühl der Ruhe und der vollsten Zufriedenheit in mir habe ich mich schließlich in das Gästehaus begeben müssen. Chefchaouen hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Die einzigartige Kulisse, die zauberhafte kleine Stadt am Fuß des Dżbel El Alkolie und die offenen, herzlichen Menschen, die man hier angetroffen hat, machen den Ort zu einem der bezauberndsten, die ich kenne. Jeder, der bei seiner Reise in Marokko so wie ich die Nase gestrichen voll hat von dem ewigen Trubel und Dreck, den die großen Städte unweigerlich mit sich bringen, sollte ein paar Tage hier verbringen.

Ich wiederhole es erneut, ich kann es wirklich weiterempfehlen. Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages wieder hierher zurückkommen werde, nur um weitere Geheimnisse jenes Ortes zu lüften.

 

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